Regierung fordert mehr Arbeit – bei Landwirten zeigt sich längst, wohin das führt.
Während die Bundesregierung über längere Lebensarbeitszeiten, weniger Krankmeldungen und mehr Arbeitsleistung schwadroniert, zeigt ihre Antwort auf meine Kleine Anfrage (Drucksache 21/7418) zur psychischen Gesundheit von Landwirten, wohin dauerhafte Überlastung führen kann. Darin räumt die Regierung selbst ein, dass wirtschaftlicher Druck, hohe Arbeitsbelastung, ständige Verfügbarkeit sowie strukturelle Belastungen die psychische Gesundheit von Landwirten beeinträchtigen können. Über 10.000 Hilferufe bei der Krisenhotline der SVLFG seit 2018 zeigen, dass psychische Krisen in der Landwirtschaft längst keine Randerscheinung mehr sind.
Gerade die Landwirtschaft ist das beste Beispiel dafür, dass immer mehr Arbeit nicht unbegrenzt möglich ist. Besonders betroffen sind Männer, Betriebsleiter sowie Familien auf kleinen und mittleren, insbesondere tierhaltenden Betrieben. Viele von ihnen arbeiten seit Jahren weit über das normale Maß hinaus. Sieben Tage Arbeit in der Woche sind keine Seltenheit. Geregelte Arbeitszeiten gibt es oft nicht. Gleichzeitig treiben auch noch hohe Preise für Dünger, Diesel und andere Betriebsmittel bei gleichzeitig niedrigen Erlösen auf den Getreide- und Fleischmärkten viele Landwirte an den Rand der Verzweiflung.
Statt die Betriebe spürbar zu entlasten, verweist die Regierung überwiegend auf Beratungsangebote, Präventionsmaßnahmen, die Prüfung einer weiteren bundesweiten Studie und groteskerweise auf ein erst noch zu schaffendes Suizidpräventionsgesetz(!).
Die Antwort offenbart einen politischen Widerspruch: Einerseits fordert die Merz-Regierung von den Menschen längeres Arbeitsleben, weniger Fehlzeiten und mehr Leistung. Andererseits bestätigt sie selbst, dass genau dieser dauerhafte Druck krank machen kann.
Unsere Landwirte brauchen keine weiteren Studien und wohlklingenden Absichtserklärungen. Sie brauchen endlich politische Rahmenbedingungen, die Leistung wieder möglich machen, ohne Menschen an ihre körperlichen und psychischen Grenzen zu treiben. Wer immer nur mehr fordert, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen nicht mehr können.
Die Landwirtschaft ist nur der Anfang. Wer die Belastungsgrenzen der Menschen dauerhaft ignoriert, wird am Ende genau diejenigen verlieren, auf denen unser Land aufbaut: die Leistungsträger. Entweder sie wandern ab – oder sie werden krank.
